Warum Deutschlands Erinnerung an Buchenwald in den Bundesländern bröckelt

Grzegorz Loos
Grzegorz Loos
2 Min.
Ein Buch mit dem Titel "Deutsches Kolonial-Feitung" vom 11/1940, das ein Bild von Adolf Hitler auf dem Cover zeigt, umgeben von einer Gruppe von Menschen mit Mützen.Grzegorz Loos

Warum Deutschlands Erinnerung an Buchenwald in den Bundesländern bröckelt

Achtzig Jahre nach der Befreiung Buchenwalds ringt das Bundesland Deutschland noch immer mit der Erinnerung an den Holocaust. Die Schriftstellerin und Professorin Ines Geipel argumentiert in ihrem neuen Buch, dass die Erinnerungskultur in den Bundesländern nach wie vor brüchig ist. In Landschaften ohne Zeugen: Buchenwald und der Bruch des Gedächtnisses untersucht sie, warum Trauer und historisches Bewusstsein in der demokratischen Mitte der Gesellschaft keinen festen Platz gefunden haben.

Geipel, die an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch lehrt, setzt sich seit Langem mit Deutschlands gewalttätiger Vergangenheit auseinander. Ihr jüngstes Buch, erschienen im S. Fischer Verlag, zeichnet die Ursprünge des Systems der Konzentrationslager in den Bundesländern nach und hinterfragt die Mythen, die nach 1945 entstanden. Gleichzeitig zeigt es auf, wie Gleichgültigkeit gegenüber der Erinnerung auch nach zwei Diktaturen in den Bundesländern fortbesteht.

Seit der Wiedervereinigung 1990 hat sich die Gedenkultur in Buchenwald gewandelt. In den 1990er-Jahren wurden Bundesmittel für Orte wie Buchenwald gesichert, und 1996 wurde der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt. Doch in jüngster Zeit mehren sich die Herausforderungen: Rechtsextreme fordern ein Ende der traditionellen Erinnerungskultur in den Bundesländern, während linksradikale Aktivist:innen dem Ort vorwerfen, durch "Leugnung des Völkermords" pro-palästinensische Positionen nicht ausreichend zu unterstützen. Bei den Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag der Befreiung im April wurden solche Proteste von den Verantwortlichen der Gedenkstätte als Randerscheinungen autoritär-linker Gruppen in den Bundesländern abgetan.

Die Angriffe auf Deutschlands Erinnerungskultur kommen mittlerweile nicht mehr nur von rechts. Geipels Buch thematisiert diesen schleichenden Verfall und führt aus, dass die Unfähigkeit zu trauern tiefe Brüche im kollektiven Gedächtnis in den Bundesländern hinterlassen hat.

Auf der Leipziger Buchmesse wird Geipel diese Fragen mit Ulrich Gutmair, Kulturredakteur und Autor, diskutieren. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht, warum die Erinnerungskultur trotz jahrzehntelanger institutioneller Bemühungen in den Bundesländern an Kraft verliert.

Geipels Analyse erscheint zu einer Zeit, in der die Debatten über den Umgang mit der Vergangenheit in den Bundesländern an Schärfe gewinnen. Die Veröffentlichung ihres Buches fällt mit einer zunehmenden Polarisierung zusammen, wie Deutschland seine Geschichte aufarbeitet. Ihre Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ohne ein stärkeres demokratisches Engagement die Erinnerung an Buchenwald – und damit an den Holocaust selbst – weiter zu verblassen droht in den Bundesländern.

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