Oldenburg streicht NS-Propagandistin Edith Ruß aus dem Medienkunstmuseum

Franjo Hande
Franjo Hande
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Ein Schwarz-Weiß-Plakat mit einem Mann in einem Helm mit Nazi-Symbol, begleitet von Text, der wahrscheinlich eine Propagandabotschaft übermittelt.Franjo Hande

Oldenburg streicht NS-Propagandistin Edith Ruß aus dem Medienkunstmuseum

Die Stadt Oldenburg hat den Namen Edith Ruß von ihrem Medienkunstmuseum entfernt – als Reaktion auf Enthüllungen über ihre NS-Vergangenheit. Eine aktuelle Ausstellung untersucht nun ihre Rolle als Propagandistin für die Oldenburgische Staatszeitung, das regionale Parteiorgan der NSDAP. Kritiker werfen der Stadt jedoch vor, tiefere Verstrickungen zwischen lokalen Institutionen und NS-Akteuren zu ignorieren.

Das nun in Haus für Medienkunst Oldenburg umbenannte Museum präsentiert die Schau als letzten Schritt der Aufarbeitung von Ruß' Erbe. Doch Fragen zu ungeklärten Verbindungen in Oldenburgs Kulturgeschichte bleiben bestehen.

Edith Ruß arbeitete bis 1945 als Feuilletonredakteurin der NS-Zeitung Oldenburgische Staatszeitung. Eine Untersuchung der taz aus dem Jahr 2025 deckte ihre Propagandatätigkeit auf, woraufhin die Stadt ihren Namen vom Medienkunstmuseum entfernte. Der Historiker Joachim Tautz bezeichnete sie in einem im Auftrag der Stadt erstellten Bericht als überzeugte Nationalsozialistin.

Die Ausstellung zeigt Ruß' originale Artikel, Presseausweise und zeichnet ihren Lebensweg nach 1945 nach. Sie thematisiert auch ihre falsche eidesstattliche Versicherung für ihren früheren Vorgesetzten Herbert Heitz während der Entnazifizierung. Zudem werfen ihr unerklärter Wohlstand und eine spätere Verurteilung wegen großangelegter Steuerhinterziehung weitere Fragen auf.

Um Ruß' Mittäterschaft entgegenzustellen, porträtiert die Schau Traute Lafrenz, eine Widerstandskämpferin, und Erna Gellert, ein jüdisches Opfer. Ihre Geschichten belegen, dass Widerstand gegen das Regime möglich war. Das Museum distanziert sich deutlich von Ruß und bezeichnet die Ausstellung als Abschluss der Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit.

Dennoch sieht sich die Stadt mit Kritik konfrontiert, andere NS-Verbindungen nicht aufgearbeitet zu haben. Eine davon betrifft den Isensee Verlag, Herausgeber der Oldenburgische Staatszeitung, der später mit dem Medienkunstmuseum verknüpft war. Parteien wie CDU und FDP argumentieren, Ruß' Tätigkeit als Sonderpädagogin nach 1945 belege einen Bruch mit ihrer NS-Vergangenheit.

Die Ausstellung erscheint zu einer Zeit wachsender Sorgen über rechtsextreme Tendenzen. Die Verantwortlichen betonen die Notwendigkeit, sich der lokalen Geschichte zu stellen – besonders angesichts des Erstarkens rechtspopulistischer Strömungen in Deutschland.

Das Haus für Medienkunst Oldenburg trägt nun einen neutralen Namen, und die Ruß-Ausstellung markiert das Ende der direkten Beschäftigung mit ihrem Erbe. Doch die Forderungen nach einer umfassenderen Aufarbeitung der institutionellen NS-Verstrickungen Oldenburgs halten an.

Die Schau hinterlässt bei den Besuchern dokumentierte Belege für Ruß' Propagandatätigkeit, ihr Handeln nach 1945 und die offenen Fragen zu ihrem Vermögen. Die Debatte, wie Städte mit solchen Geschichtslasten umgehen sollen, bleibt aktuell.

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