Popcorn-Explosion und Tränen: taz verabschiedet ihre letzte Printausgabe in Berlin-Kreuzberg

Elfie Ziegert
Elfie Ziegert
2 Min.
Eine alte, gelbliche Zeitung mit der Überschrift 'Berliner Volksblatt' aus dem Jahr 1884 mit schwarzem Text.Elfie Ziegert

Popcorn-Explosion und Tränen: taz verabschiedet ihre letzte Printausgabe in Berlin-Kreuzberg

Abschied mit Knall: Die taz feiert ihr letztes Wochenend-Druckexemplar in Berlin-Kreuzberg

Im taz-Haus in Berlin-Kreuzberg ging es bei der Abschiedsfeier für die letzte werktägliche Printausgabe turbulent, aber lebendig zu. Die unter dem Motto "Seitenwende" stehende Veranstaltung zog Mitarbeiter:innen, Politiker:innen und Gäste aus der Öffentlichkeit an. Für unerwartete Aufregung sorgte eine explodierende Popcornmaschine, die die Anwesenden in panische Flucht versetzte.

Der Abend begann mit Reden der taz-Chefredakteurinnen Barbara Junge und Ulrike Winkelmann. Sie beschrieben die Stimmung als Mischung aus Erleichterung, Erschöpfung und Stolz nach dem langen Lauf der gedruckten Zeitung. Die Geschäftsführer gestanden später, sie hätten "Sterne in den Augen" gehabt – ein Bild für die emotionale Last des Moments.

Bundestagsvizpräsident Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen) betrat die Bühne und verwies darauf, dass die taz seit 1982 mindestens 476 Mal im Bundestag zitiert worden sei. Seine Worte rührten eine Redakteurin zu Tränen, wobei der genaue Grund im Unklaren blieb.

Unter den Gästen befand sich auch Wolfgang Schmidt, ehemaliger Kanzleramtschef von Olaf Scholz. Die anwesenden Praktikant:innen nutzten die Gelegenheit auf ihre Weise: Manche spielten Bingo, andere scherzten, sie hätten so viel Sekt getrunken, wie ein Mindestlohn nach einem Jahr beträgt (im Wert von 4.080 Euro). Ein Praktikant kämpfte derweil damit, Häppchen zu ergattern, während er unbestätigten Gerüchten über prominente Gäste nachjagte.

Der Höhepunkt der Feier war dann die plötzliche Explosion der Popcornmaschine. Die Gäste flüchteten in die Kantine – drei Praktikant:innen sollen es angeblich nicht rechtzeitig geschafft haben. Der Vorfall fügte sich nahtlos in den Mix aus Feierlaune und Chaos des Abends ein.

Bereits im Oktober 2023 hatte die taz ihre werktäglichen Printausgaben eingestellt, begründet mit finanziellen Defiziten und einer strategischen Neuausrichtung. Berichten zufolge folgte dieser Schritt einem Trend, wie ihn etwa die Nordwest-Zeitung vorgezeichnet hatte, die die Zustellung gedruckter Exemplare für fast 2.000 defizitäre Abonnentenhaushalte eingestellt hatte. Die Redaktion rechtfertigte die Entscheidung als notwendig, um den Journalismus langfristig zu sichern – mit Fokus auf betriebswirtschaftliche und operative Faktoren.

Die "Seitenwende"-Feier markierte das Ende einer Ära für die werktägliche taz-Printausgabe. Trotz emotionaler Reden und unerwartetem Tumult unterstrich die Veranstaltung den bleibenden Einfluss der Zeitung. Der Abschied vom Print spiegelt dabei einen branchenweiten Wandel wider, in dem Verlage auf finanzielle Zwänge und neue Medienstrategien reagieren.

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