Keine Verkehrsveränderung ohne Enteignung
Ein neues Buch stellt das autozentrierte Produktionsmodell von Volkswagen infrage und fordert eine radikale Wende hin zum öffentlichen Verkehr. „Lass uns das Leben in unsere eigenen Hände nehmen: Eine Einladung in den Kampf für ein gutes Leben für alle“ erschien in diesem Jahr im Westend Verlag. Verfasst von einem Team aus Aktivist:innen und Arbeiter:innen, plädiert es dafür, die VW-Werke zu demokratisieren und stattdessen Straßenbahnen und Busse statt Privatfahrzeuge zu bauen.
Das Buch vereint Stimmen der Initiative „VW Means Transport Transition“, einer Kampagne, die den Autokonzern zum Ausstieg aus der Pkw-Produktion drängt. Aktivist:innen, darunter der Mitautor Tobi Rosswog, organisierten Proteste und Diskussionsrunden in Wolfsburg, der VW-Firmenstadt. Wiederholt suchten sie den Dialog mit Beschäftigten und warben für einen Umstieg auf die Herstellung öffentlicher Verkehrsmittel.
Der langjährige VW-Mitarbeiter und Mitautor Thorsten Donnermeier schildert die Herausforderungen eines Lebens ohne Auto in ländlichen Regionen. In seinem Dorf bei Kassel sei der ÖPNV so schlecht ausgebaut, dass die Bewohner:innen auf private Fahrzeuge angewiesen seien. Das Buch kritisiert E-Autos als „falsche Lösung“ und zeichnet die Verbindungen von VW zur faschistischen Geschichte nach – die heutigen Kämpfe werden dabei mit antifaschistischen Bewegungen verknüpft. Die Autor:innen untersuchen, wie Lohnarbeit in eine sozio-ökologische Transformation eingebettet werden kann, die ihrer Ansicht nach der Kapitalismus nicht leisten kann. Sie dokumentieren, wie sich Autarbeiter:innen und Klimaktivist:innen unter dem Banner „VW Means Transport Transition“ vereinten. Ihr Vorschlag zielt darauf ab, die VW-Werke auf die Produktion von Zügen und Bussen umzustellen – als ökologische und demokratische Notwendigkeit.
Das Buch entwirft ein detailliertes Plädoyer für die Umgestaltung der VW-Fertigungsstraßen und die Verringerung der Autabhängigkeit. Es verbindet Arbeiter:innen-Berichte, historische Analysen und aktivistische Strategien. Die Autor:innen bestehen darauf, dass echter Wandel einen Bruch mit der kapitalistischen Logik erfordert – und dass die Beschäftigten die Kontrolle über industrielle Umbrüche übernehmen müssen.






