21 December 2025, 00:59

Psychiatrie-Patienten-Gesetz in Niedersachsen: Gefährlich durch Verwaltungsregelung

Ein weißer Polizeiwagen steht vor einer befahrenen Straße mit fahrenden Fahrzeugen, umgeben von Gras und Bäumen in einer ländlichen Umgebung.

Psychiatrie-Patienten-Gesetz in Niedersachsen: Gefährlich durch Verwaltungsregelung

Niedersächsisches Psychisch-Kranken-Gesetz: Gefährlich per Verordnung

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Teaser: Die Polizei in Niedersachsen soll künftig Daten über mutmaßlich gefährliche Personen erhalten, die zwangsweise in eine Klinik eingewiesen wurden. Was als gefährlich gilt, wird vom Land definiert. Experten halten dies für problematisch.

20. November 2025, 14:06 Uhr

Niedersachsen passt sein Psychisch-Kranken-Gesetz an, um den Datenaustausch zwischen Polizei und Krankenhäusern zu verbessern. Der neue Entwurf des PsychKG soll es Behörden erleichtern, Personen zu überwachen, die möglicherweise eine Gefahr für andere darstellen. Doch Kritiker warnen, die Änderungen könnten die öffentliche Kontrolle umgehen und neue Bedenken hinsichtlich des Patientendatenschutzes aufwerfen.

Das geplante Gesetz sieht vor, dass die Polizei informiert wird, wenn ein Patient vor der Entlassung Anzeichen einer potenziellen Gefahr zeigt. Zudem ermöglicht es Zwangseinweisungen, wenn eine anhaltende Gefahr für Dritte festgestellt wird. Ministerin Daniela Behrens (SPD) begründet die Reformen mit dem Ziel, die öffentliche Sicherheit zu stärken.

Der Datenaustausch soll sich nicht nur auf Krankenhäuser beschränken, sondern auch sozialpsychiatrische Dienste und relevante Kliniken einbeziehen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) schlägt Alarm: Die Kriterien zur Risikobewertung würden in Verwaltungsvorschriften festgelegt – statt in einer öffentlichen Debatte. Dies entziehe den Prozess der demokratischen Kontrolle, so die Gesellschaft. Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen fordert eine stärker evidenzbasierte Diskussion über den Zusammenhang von Gewalt und psychischen Erkrankungen.

Die Kritik kommt zu einer Zeit, in der die Dimensionen der psychischen Versorgung in Deutschland deutlich werden: 2023 waren 4,3 Millionen Einzelpsychotherapie-Sitzungen genehmigungspflichtig, 2024 erhielten über 850.000 Menschen Behandlung in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken. Jährlich sind Millionen Menschen im Land von psychischen Erkrankungen betroffen. Die DGPPN befürchtet zudem, dass das neue Gesetz stillschweigend ein Meldesystem für psychische Auffälligkeiten einführen könnte – ohne ausreichende Schutzmechanismen.

Der Gesetzentwurf würde den Behörden weitreichendere Befugnisse einräumen, um als gefährlich eingestufte Personen zu überwachen und gegebenenfalls festzusetzen. Sollte er verabschiedet werden, könnte er die Handhabung psychiatrischer Fälle in Niedersachsen grundlegend verändern. Kritiker bestehen darauf, dass die Reformen klarere Kontrollmechanismen benötigen, um Patientenschutz und Missbrauch zu verhindern.