Doppelhaushalt 2027/28: Fünf Milliarden Einsparungen – doch Experte vergibt nur "drei minus"
Grzegorz LoosDoppelhaushalt 2027/28: Fünf Milliarden Einsparungen – doch Experte vergibt nur "drei minus"
Die deutsche Bundesregierung hat einen Doppelhaushalt für die Jahre 2027 und 2028 vorgestellt, der Einsparungen von über fünf Milliarden Euro vorsieht. Christoph Badelt, Vorsitzender des Stabilitätsrats, bewertete den Plan mit verhaltener Skepsis und vergab die Schulnote "drei minus" – auf einer Skala bis zehn. Seine Analyse zeigte sowohl Stärken als auch erhebliche Schwächen der Vorhaben auf.
Badelt anerkannte zwar die Bandbreite der vorgesehenen Maßnahmen, kritisierte jedoch deren mangelnde Präzision. Viele Details blieben vage, was eine Einschätzung der langfristigen Auswirkungen erschwere. Besonders überrascht zeigte er sich über den geplanten Anstieg der Sozialabgaben für Beschäftigte über 60 um einen Viertelprozentpunkt – eine unerwartete Belastung für diese Gruppe.
Besonders scharf fiel seine Kritik an der geplanten Senkung der Lohnnebenkosten aus. Badelt zufolge würden die Einsparungen durch höhere Abgaben von älteren Arbeitnehmern und Geringverdienern zunichtegemacht, was die finanzielle Last auf ohnehin benachteiligte Gruppen verlagere. Zudem zweifelte er an, ob der Haushalt strukturelle Ausgabenprobleme tatsächlich angehe – vielmehr handele es sich um ein vorrangig kurzfristig ausgerichtetes Paket.
Bei den Rentenanpassungen unterstützte Badelt die vorübergehende Aussetzung der vollen Inflationsanpassung als wirtschaftlich sinnvoll. Gleichzeitig warnte er, dass weite Teile des Pakets nach wie vor unklar definiert seien. Das Ziel, das Haushaltsdefizit bis 2028 unter drei Prozent zu drücken, bezeichnete er als überambitioniert – weitere Sparmaßnahmen seien wahrscheinlich unvermeidbar. Den zusätzlichen Finanzbedarf schätzte er auf eine bis vier Milliarden Euro.
Über den Haushalt hinaus verwies Badelt auf dringend notwendige Reformen in anderen Bereichen. Besonders im Gesundheitswesen, bei der Rentenalterspolitik und der Subventionsstruktur ortete er akuten Handlungsbedarf.
Der Doppelhaushalt 2027/2028 zielt zwar auf Einsparungen von über fünf Milliarden Euro ab, doch fällt die Resonanz gemischt aus. Badelts Bewertung deutet darauf hin, dass dem Plan in zentralen Bereichen die Tiefe fehlt – mit unklaren Maßnahmen und möglichen Finanzierungslücken. Um die fiskalpolitischen Ziele zu erreichen, könnten weitere Kürzungen und Reformen außerhalb des Haushalts erforderlich sein.






