23 March 2026, 06:30

Wie Neslihan Arol die osmanische Erzählkunst mit Feminismus neu erfindet

Gemälde eines Mannes in Turban und langem Gewand, der auf einem Stuhl sitzt und eine Frau in einem prächtig bestickten Kleid mit Kopfschmuck neben ihm steht, mit ernsten Gesichtern und der Aufschrift "Türkisch" unten.

Wie Neslihan Arol die osmanische Erzählkunst mit Feminismus neu erfindet

Neslihan Arol lässt die uralte osmanische Erzählkunst des Meddah in Berlin wieder aufleben – doch mit einer mutigen, feministischen Note. Traditionell eine von Männern dominierte Bühnenkunst, ist ihre Version lebendig, mehrsprachig und unerschrocken politisch. Auf der Bühne jongliert sie mit Sprachen, Kulturen und Traditionen, nutzt Humor, um Normen herauszufordern und vergessene Geschichten zu erzählen.

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Arols Weg zur Erzählkunst begann fernab der Bühne. Zunächst studierte sie Chemieingenieurwesen, widmete sich aber heimlich der Schauspielerei und schrieb ihre ersten akademischen Arbeiten über Clowns aus feministischer Perspektive. Frustriert über das Fehlen witziger Frauenrollen im klassischen Theater, entdeckte sie das Clownspiel als Werkzeug der Subversion.

Die Meddah-Tradition selbst reicht bis ins Osmanische Reich zurück, wo Solokünstler in Kaffeehäusern mit Satire, moralischen Lehren und gesellschaftlicher Kritik unterhielten. Arol belebt diese Kunst in Berlin neu, verbindet ihre Wurzeln mit einem feministischen Experiment. Ihre Auftritte sind dynamisch – voller ausladender Gesten, schneller Rollenwechsel und eines Sprachmix'.

Im Zentrum ihres Auftritts steht eine kleine Teelichtkerze, Symbol für die Menschlichkeit des Meddah. Sie steht für ein Herz, das von Liebe zu den Menschen erleuchtet wird, für die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft zu "verbrauchen", und für das Versprechen, den Zuhörern mit Wärme zu begegnen. Früher nutzte sie eine alte Gaslampe, doch nach einem gefährlichen Zwischenfall wechselte sie zu einer sicheren Flamme.

2014 kam Arol nach Berlin, um Comedy, Clownspiel, Stand-up und Meddah zu erforschen – ein Projekt, das acht Jahre in Anspruch nahm. Heute sind ihre Auftritte zugleich Wiederbelebung und Rebellion, ein Beweis dafür, dass uralte Traditionen moderne Gespräche anregen können.

Arols Meddah bricht mit jahrhundertelanger männlicher Vorherrschaft, bewahrt aber ihren Geist. Ihre Bühne wird zum Treffpunkt von Humor, Politik und Geschichte. Durch Bewegung, Sprache und eine einzige flackernde Kerze verwandelt sie das Erzählen in einen Akt der Befreiung.

Quelle