23 March 2026, 08:25

Vom Chiemsee in die Welt: Der Troyer-Pullover als Segel-Legende

Eine weiße Matrosenjacke mit Kragen, langen Ärmeln und einem Knopfverschluss hängt an einer Wäscheleine vor einem weißen Hintergrund und besteht aus leichtem, geripptem Stoff.

Vom Chiemsee in die Welt: Der Troyer-Pullover als Segel-Legende

Ein klassischer Matrosenpulli verleiht jedem Outfit eine Prise maritimes Erbe. Der Troyer-Pullover, bekannt für seine robuste Zuverlässigkeit, ist seit langem ein fester Bestandteil der Seefahrerkleidung. Doch nicht jedes nautische Accessoire strahlt denselben zeitlosen Charme aus – manche wirken schnell eher wie Karnevalskostüm als funktionaler Stil.

Der Troyer-Pullover entstand im 19. Jahrhundert in Bayern als praktisches Wollkleidungsstück. Fischer und Matrosen am Chiemsee schätzten seine Wärme und Bewegungsfreiheit während langer Stunden auf dem Wasser. Der hohe Kragen, der vor Wind und Gischt schützen sollte, weckte bald das Interesse von Regattaseglern.

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Berühmtheit erlangte der Pulli beim Fastnet-Rennen 1931, als Crew-Mitglieder wie Coley Powell ihn als Schutz trugen. Mit der Zeit wurde er zum Symbol für Durchhaltevermögen und war bei renommierten Events wie dem America's Cup oder der Sydney-Hobart-Regatta zu sehen. Eingefleischte Segler halten ihn bis heute für ein unverzichtbares Ausrüstungsstück.

Die Werkstatt Rymhart am Elbufer in Stade bewahrt diese Tradition. 2010 von dem Erben Karl Siegel wiederbelebt, spezialisiert sich das Unternehmen auf handgefertigte Troyer. Verwendet wird ausschließlich Schafwolle, die für Wärme, Wasserabweisung und Langlebigkeit sorgt. Das neueste Modell in schwerer Ausführung besticht durch eine verbesserte Wollmischung, die weniger knotting, enger anliegt und sich weniger dehnt.

Die Crew der Peter von Danzig demonstrierte 1973 während des Whitbread-Rund-um-die-Welt-Rennens die Vielseitigkeit des Troyers. Die Segler kombinierten ihn mit verschiedenen Kopfbedeckungen – verzichteten aber bewusst auf die Prinz-Heinrich-Mütze, die mitunter eher wie ein Kostüm als ein praktisches Accessoire wirkt. Ein gut sitzender Troyer sollte, wenn er hochgezogen wird, mit einem flach anliegenden Kragen beidseitig auf den Schlüsselbeinen aufliegen.

Der Troyer-Pullover bleibt ein Zeichen authentischer Segelkultur. Seine Verbindung aus Geschichte, Handwerkskunst und Funktionalität sichert ihm einen Platz im Wettkampfsegeln wie im Alltag. Wer nach einem Hauch maritimer Tradition sucht, findet in ihm eine zuverlässige – und stilvolle – Wahl.

Quelle