Streit um Kürzungen bei "Lebendige Demokratie" spaltet Politik und Zivilgesellschaft
Grzegorz LoosStreit um Kürzungen bei "Lebendige Demokratie" spaltet Politik und Zivilgesellschaft
Die Pläne der Bundesregierung zur Umstrukturierung der Initiative "Lebendige Demokratie" haben eine heftige Debatte ausgelöst. Das 2014 mit jährlichen Mitteln von 200 Millionen Euro gestartete Programm steht nun vor drastischen Kürzungen – über 200 Projekte sollen bis Jahresende ihre Förderung verlieren. Politiker aus allen Lagern liefern sich einen Streit über die Entscheidung, während die einen den Schritt begrüßen, ihn andere als Schlag gegen die Zivilgesellschaft verurteilen.
Familienministerin Karin Prien (CDU) kündigte die Reformen an und begründete sie mit einem "lernfähigen System". Zwar räumte sie ein, dass Teile des Programms erfolgreich gewesen seien, doch die Neugestaltung sei notwendig. Sofortige Zustimmung kam von der AfD: Der Abgeordnete Kay Gottschalk bedankte sich "von Herzen" für die Umstrukturierung, während sein Parteikollege Martin Reichardt sogar die "komplette Abschaffung" des Programms forderte.
Von links kam scharfe Kritik. Die Linke-Abgeordnete Clara Bünger warf der Union vor, sich mit der AfD gemein zu machen, indem "demokratische Werte unter Generalverdacht" gestellt und die Zivilgesellschaft geschwächt würden. Die ehemalige SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken ging direkt auf Konfrontationskurs mit ihren Koalitionspartnern und warnte, das Ende der Dauerförderung werde bei Basisorganisationen "tiefe Verunsicherung" auslösen. Der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß feierte unterdessen die geplante Streichung der Gelder für das Projekt HateAid – woraufhin Esken erklärte, seine Äußerungen "erfüllten sie mit Scham".
Innerhalb der SPD waren die Reaktionen gespalten. Der Abgeordnete Felix Döring verteidigte zunächst die CDU-Pläne, gab später aber zu, bei den Behauptungen der Ministerin, das Programm sei gescheitert, "das eine oder andere Fragezeichen" zu haben. Die grüne Stellvertreterin Misbah Khan kritisierte, es gebe "keine transparente Strategie" für die Zukunft der Initiative. Zuvor hatten SPD-Politiker bereits gerungen, wie sie mit einem Antrag der Linken zur Debatte über die Kürzungen umgehen sollten – ob sie Widerstand leisten, lavieren oder schweigen sollten.
Durch die Reform werden die jährlichen 200 Millionen Euro umgeschichtet, Hundert Projekte verlieren bis 2025 ihre Förderung. Während die Regierung den Schritt als notwendige Reform darstellt, warnen Gegner vor einer Schwächung der Zivilgesellschaft in einer entscheidenden Phase. Die politischen Folgen offenbaren nicht nur tiefe Gräben zwischen den Parteien, sondern auch innerhalb der Regierungskoalition selbst.






