Klimaproteste gegen geplantes LNG-Terminal in Wilhelmshaven eskalieren
Franjo HandeKlimaproteste gegen geplantes LNG-Terminal in Wilhelmshaven eskalieren
Rund 80 Klimaaktivistinnen und -aktivisten versammelten sich am Hooksieler Außentief, um gegen Pläne für ein drittes LNG-Terminal in der Nähe von Wilhelmshaven zu protestieren. Die Demonstration richtete sich gegen die Höegh Esperanza, ein gigantisches Lager- und Regasifizierungsschiff mit einer Länge von fast 300 Metern. Die Protestierenden argumentieren, dass das Projekt sowohl lokale Naturschutzbemühungen als auch Deutschlands Klimaziele gefährdet.
Die Kundgebung wurde von einem Bündnis aus Umweltverbänden organisiert, darunter die Deutsche Umwelthilfe (DUH), lokale Gruppen von BUND und NABU. Sie haben rechtliche Schritte gegen den Bebauungsplan Nr. 225 eingeleitet, der den Bau des Terminals ermöglichen würde. Ihre Einwände konzentrieren sich auf städtebauliche Verfahren und geplante Änderungen der Schutzbestimmungen im Voslapper Groden-Nord, einem Artenhotspot mit über 600 Tier- und Pflanzenarten, von denen viele vom Aussterben bedroht sind.
Milena Pressentin von der DUH wies die Behauptung zurück, das Terminal unterstütze Klimaziele, und bezeichnete es als "feinstes Greenwashing". Sie beschrieb das Projekt schlicht als "Bau und Betrieb eines fossilen LNG-Terminals für den Import von fossilem Erdgas". Martin Lüdders, Aktivist bei Fridays for Future, sagte vor den Demonstrantinnen und Demonstranten, Wilhelmshaven sei "die von der Klimakrise am stärksten bedrohte Region Deutschlands".
Trotz der Genehmigungen für den LNG-Ausbau wurden seit 2022 keine neuen Terminals an der deutschen Nord- oder Ostsee gebaut. Zudem hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil das Land die Vogelschutzrichtlinie nicht ordnungsgemäß umsetzt – was die Naturschutzdebatte weiter anheizt.
Niksa Marusic, der Wilhelmshavener Stadtplanungschef, verteidigte die Änderungen der Flächennutzungs- und Bebauungspläne. Er argumentierte, sie leisteten einen "substanziellen Beitrag" sowohl zu Deutschlands Klimazielen als auch zur Energiesicherheit.
Der Protest unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen Energieinfrastrukturprojekten und Umweltschutz. Da nun rechtliche Klagen anhängig sind, hängt die Zukunft des Terminals von Gerichtsentscheidungen und weiteren regulatorischen Prüfungen ab. Auch das EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen Verstößen gegen Naturschutzgesetze könnte das Projekt beeinflussen.






