Drei Buchhandlungen fliegen aus der Shortlist für den Deutschen Buchhandlungspreis
Franjo HandeDrei Buchhandlungen fliegen aus der Shortlist für den Deutschen Buchhandlungspreis
Drei unabhängige Buchhandlungen wurden von der Shortlist für den renommierten Deutschen Buchhandlungspreis gestrichen. Kulturminister Wolfram Weimer traf diese Entscheidung nach Erhalt amtlicher Berichte über mögliche Extremismusrisiken. Der Schritt löste scharfe Kritik der Gewerkschaft ver.di aus, die darin einen direkten Angriff auf die kulturelle Freiheit sieht.
Betroffen sind die Buchhandlungen "Rote Straße" in Berlin, "Zur schwankenden Weltkugel" in Bremen und "The Golden Shop" in Göttingen. Alle drei waren von einer unabhängigen Jury ausgewählt worden, wurden jedoch später von Weimer gestrichen, der sich auf "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" berief. Laut Minister erfolgte die Entscheidung im Rahmen eines standardisierten Prüfverfahrens, der sogenannten Haber-Prozedur, die von mehreren Behörden genutzt wird, um Extremismusrisiken bei staatlich geförderten Projekten zu bewerten.
Andrea Wemheuer, Leiterin des ver.di-Landesbezirks, verurteilte den Ausschluss als "katastrophal". Sie betonte, Buchhandlungen seien unverzichtbare Orte für offenen Austausch und kulturellen Dialog. Die Gewerkschaft stellte sich öffentlich hinter die betroffenen Betriebe und lobte die Solidarität der gesamten Branche.
Weimer verteidigte sein Vorgehen und bezeichnete die Prüfung als routinemäßig und notwendig. Kritiker werfen ihm jedoch vor, damit die Unabhängigkeit des Auswahlverfahrens für den Preis zu untergraben.
Die Kontroverse zeigt die Spannungen zwischen staatlicher Aufsicht und kultureller Autonomie auf. Die drei Buchhandlungen bleiben von der Auszeichnung ausgeschlossen, während ver.di die Begründung des Ministers weiterhin infrage stellt. Die Auseinandersetzung könnte prägend für künftige Preisvergaben in Deutschland sein.