Wolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ taucht nach 40 Jahren wieder auf
Grzegorz LoosWolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ taucht nach 40 Jahren wieder auf
Ein längst vergessener Gedichtband des aktuellen Staatsministers für Kultur, Wolfram Weimer, ist nach fast 40 Jahren wiederaufgetaucht. 'Kopfpilz', von Weimer mit nur 21 Jahren verfasst, erschien 1986, bevor das Werk in der Versenkung verschwand. Die rohen, beunruhigenden Verse, die kürzlich wiederentdeckt wurden, bieten nun einen frappierenden Kontrast zu dem späteren literarischen Ruf des Autors.
Erstmals wieder aufgetaucht sind die Gedichte im November, als der Podcast 'Bohniger Wachmacher' sie vorstellte. Die Moderatoren Moritz Hürtgen und Dax Werner stießen in einem Münchner Bücherregal auf das Buch und weckten damit neues Interesse an Weimers frühem Schaffen.
Weimers 'Kopfpilz' hebt sich deutlich von seinen späteren, ausgereifteren Werken ab. Der Band besticht durch einen derben, provokanten Stil, der eher an Till Lindemanns aufrührerische Songtexte erinnert als an die Romantik eines Novalis. Eine Passage lautet: 'und fressen unsere Körper / schmausen unser Fleisch / metzeln unsere Zeiten / und schlagen uns nieder / wir sind zu fein zum Töten / verdampfter Liebes-Schleim.' Ein weiteres Gedicht, 'Unglück', zeichnet das verstörende Bild einer schwangeren Frau und eines Mannes, bedeckt mit 'Eiterbeulen'.
Die Wiederentdeckung begann im Mai, als der Autor und Journalist Knut Cordsen 'Kopfpilz' in den sozialen Medien erwähnte – wenn auch ohne Zitate. Der Podcast 'Bohniger Wachmacher' brachte das Werk später einer breiteren Öffentlichkeit nahe. Trotz seines erneuten Auftauchens bleibt das Buch extrem selten; nur wenige Exemplare dürften noch existieren. Ursprünglich hatte Weimer seine frühen lyrischen Versuche 'Für mich' betitelt, entschied sich aber dennoch für eine Veröffentlichung. Jahrzehnte später, als Person des öffentlichen Lebens, vertrat er klar die Position, dass der Wunsch von Autoren, unveröffentlichte Entwürfe nach ihrem Tod zu vernichten, respektiert werden sollte.
Das Wiedererscheinen von 'Kopfpilz' wirft ein neues Licht auf Weimers prägende Jahre als Schriftsteller. Die aggressive Tonlage und die drastischen Bilder des Bandes stehen in scharfem Kontrast zu seinen späteren kulturellen und politischen Rollen. Mit nur wenigen im Umlauf befindlichen Exemplaren bleibt das Buch ein schwer fassbares Stück Literaturgeschichte.






