Warum immer mehr Menschen dem Staat und Medien misstrauen – und was das für die Demokratie bedeutet
Elfie ZiegertWarum immer mehr Menschen dem Staat und Medien misstrauen – und was das für die Demokratie bedeutet
Gemeinschaften des Misstrauens: Warum immer mehr Menschen dem Staat, der Wissenschaft und den Medien den Rücken kehren
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum sich immer mehr Menschen von staatlichen Institutionen, Gerichten, der Wissenschaft und den Medien abwenden. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie dieser Vertrauensverlust den Aufstieg populistischer Bewegungen befeuert. Seine Forschung zeigt: Misstrauische Menschen schließen sich zunehmend zusammen – sowohl online als auch offline – und bilden eng verbundene Gruppen, die die liberale Demokratie ablehnen.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, argumentiert, dass sich Misstrauen nicht zufällig verbreitet. Stattdessen suchen Menschen, die etablierte Systeme infrage stellen, aktiv Gleichgesinnte. Digitale Plattformen beschleunigen diesen Prozess, indem sie es Skeptikern ermöglichen, sich zu vernetzen und ihre Überzeugungen gegenseitig zu verstärken.
Populistische Strategen nutzen diese Entwicklung gezielt aus, indem sie das Vertrauen in Institutionen systematisch untergraben. Das Ergebnis, so El-Mafaalani, ist das Wachstum von "Gemeinschaften des Misstrauens" – Gruppen, die ihr Vertrauen nicht in Fakten oder Expertise setzen, sondern in Führer und Parteien, die die liberale Demokratie selbst ablehnen. Eine solche Partei ist die "Alternative für Deutschland" (AfD), die 2013 als euroskeptische Bewegung begann, sich nach internen Konflikten 2015 jedoch radikal nach rechts verschob. Seitdem hat sie ihren Einfluss ausgebaut, zog 2017 in den Bundestag ein und konnte ihren Wähleranteil bis zur Bundestagswahl 2025 verdoppeln, bei der ihre Co-Vorsitzende Alice Weidel als Kanzlerkandidatin antrat.
El-Mafaalani beleuchtet in seiner Analyse auch größere politische Verschiebungen, etwa den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. Entscheidend ist seine Warnung, dass allein die Bloßstellung der Inkompetenz der AfD das demokratische Vertrauen ihrer Anhänger nicht zurückgewinnen wird. Stattdessen deutet seine Arbeit darauf hin, dass alternative Strategien nötig sind, um der Anziehungskraft des Rechtspopulismus entgegenzuwirken.
Das Buch zeigt, wie Misstrauen sich selbst verstärkt, wenn es in abgeschotteten Netzwerken geteilt wird. Mit dem Wachstum dieser Gemeinschaften entsteht ein Nährboden für demokratiefeindliche Parteien. El-Mafaalanis Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit neuer Ansätze, um das Vertrauen in Institutionen wiederherzustellen – und die zugrundeliegenden Ursachen zu bekämpfen, die Menschen in die Arme populistischer Alternativen treiben.






