Tarifstreit in Chemie- und Pharmabranche eskaliert nach nur zwei Verhandlungstagen
Franjo HandeTarifstreit in Chemie- und Pharmabranche eskaliert nach nur zwei Verhandlungstagen
Tarifverhandlungen in der deutschen Chemie- und Pharmabranche nach nur zwei Tagen gescheitert
Die Lohnverhandlungen für die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie sind nach nur zwei Verhandlungstagen festgefahren. Die Gewerkschaft IGBCE pocht auf verbindliche Arbeitsplatzgarantien neben Lohnerhöhungen, doch die Arbeitgeber warnen, die Branche stecke in einer tiefen Krise. Angesichts stark rückläufiger Produktion und stillgelegter Werke stehen beide Seiten vor schwierigen Entscheidungen.
Die chemische Industrie in Deutschland verzeichnet seit 2018 einen dramatischen Produktionsrückgang: Bei Grundchemikalien beträgt der Einbruch 24 Prozent, im Pflanzenschutz 40 Prozent und bei Chemiefasern sogar 53 Prozent. Selbst die Mineralölverarbeitung ist um 11 Prozent gesunken, während die Pharmaproduktion stabil bleibt. Bis 2025 wird die Gesamtproduktion voraussichtlich 15 bis 17 Prozent unter dem Niveau von 2021 liegen. Die Kapazitätsauslastung pendelt derzeit zwischen 72,5 und 75 Prozent – deutlich unter den für die Rentabilität notwendigen 82 Prozent.
Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage und harter globaler Wettbewerb – insbesondere aus China – setzen der Branche schwer zu. Die Exporte sanken seit 2022 um 21 Prozent, allein die Lieferungen nach China brachen um 10 Prozent ein. Gleichzeitig fielen die Preise um 2,5 Prozent, während geopolitische Spannungen wie der Iran-Konflikt und die Blockade der Straße von Hormus zusätzliche Belastungen schaffen. Mittlerweile steht jedes vierte Werk still, was zu weiteren Stilllegungen und Stellenabbau führt.
Matthias Bürk, Verhandlungsführer der Arbeitgebervereinigung BAVC, betont, die Branche könne sich keine Lohnerhöhungen leisten. Er forderte eine "Atempause in der Lohnpolitik", um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken. Die Gewerkschaft hingegen verlangt stärkere Beschäftigungsgarantien und argumentiert, dass allein Lohnerhöhungen keine Arbeitsplätze sichern würden. Bürk entgegnete, dass Arbeitsplatzsicherheit weder von Politikern noch von Gewerkschaften erzwungen werden könne – nur eine Trendwende bei der Wettbewerbsfähigkeit werde die Branche stabilisieren.
Die Gespräche werden am 23. und 24. Februar in Wiesbaden fortgesetzt und betreffen 1.700 Unternehmen mit 585.000 Beschäftigten. Die zentrale Frage bleibt, wie die Lasten eines schrumpfenden Sektors gerecht verteilt werden können.
Die nächste Verhandlungsrunde wird entscheiden, ob es Lohnerhöhungen oder den Erhalt von Arbeitsplätzen geben wird. Angesichts weiter sinkender Produktion und Werksschließungen hängt die Zukunft der Chemieindustrie davon ab, eine Balance zwischen Kosten und Wettbewerbsfähigkeit zu finden. Beide Seiten sind sich einig: Das Überleben der Branche erfordert dringendes Handeln.






