30 March 2026, 14:36

Syriens unsicherer Neuanfang: Warum Deutschland jetzt handeln muss

Offenes Buch mit detaillierter Karte von Damaskus, Syrien, und begleitendem Text über die Geschichte und Kultur der Stadt.

Syriens unsicherer Neuanfang: Warum Deutschland jetzt handeln muss

Der Sturz des Bashar-al-Assad-Regimes im Dezember 2024 hat Syrien an einen Scheideweg gebracht. Zivilgesellschaftliche Gruppen fordern Deutschland auf, eine aktivere Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des Landes zu übernehmen. Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende von Adopt a Revolution, nannte den Moment "historisch", warnte jedoch vor einem erstarkenden Autoritarismus unter der neuen Übergangsregierung. Ihre Äußerungen fielen mit dem Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa in Berlin zusammen, wo er zu Gesprächen erwartet wurde. Dies löste eine Debatte über den deutschen Ansatz beim Wiederaufbau und der Demokratieförderung in dem vom Krieg gezeichneten Land aus.

Adopt a Revolution unterstützt seit 2011 die syrische Zivilgesellschaft und arbeitet mit lokalen Partnern an demokratischen Reformen. Bischoff kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz scharf, weil er deutsche Hilfen an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen knüpfe – diese nannte sie "undurchsichtige Deals", die das Vertrauen untergraben. Stattdessen forderte sie, dass Berlin basisdemokratische Organisationen in die Wiederaufbaupläne einbezieht. Sie betonte, dass das demokratische Defizit Syriens unter der sunnitisch-islamisch geprägten Übergangsregierung al-Sharaas weiter zunehmen könnte.

Die politische Lage bleibt instabil. Konfessionelle Auseinandersetzungen halten in Regionen wie Al-Suqaylabiyah und Qalaat al-Madiq an, während kurdische Kräfte im Norden weiterhin in Konflikte verwickelt sind. Minderheiten – darunter Christen, Alawiten, Drusen und Kurden – werden gezielt angegriffen, was die Instabilität in Gebieten wie Rojava weiter verschärft. Die Infrastruktur liegt in Trümmern, 16,5 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Massenentlassungen im öffentlichen Sektor, die vor allem Alawiten treffen, sowie eine rasche Privatisierung schwächen die Stimme der Zivilgesellschaft, während Hardliner weiterhin Einfluss behalten.

Bischoff begrüßte al-Sharaas Berlin-Besuch zwar als "richtigen Schritt", stellte aber Bedingungen: bessere rechtliche Absicherung für Syrer in Deutschland, die nach Syrien reisen, sowie Garantien für demokratische Teilhabe. Farhad Ahma von PEL-Civil Waves teilte diese Bedenken und warnte, dass Berlins Fokus auf die Übergangsregierung lokale Gemeinschaften an den Rand drängen könnte. Vertreter von Adopt a Revolution wiederholten ihre Forderung nach inklusiven Verhandlungen und befürchten, dass die Übergangsführung ohne Druck weder Sicherheit noch Versöhnung gewährleisten werde.

Syriens Übergang bleibt prekär. Wirtschaftlicher Kollaps, konfessionelle Spannungen und ein schrumpfender Handlungsspielraum für die Zivilgesellschaft prägen die Lage. Die Zusammenarbeit der deutschen Regierung mit der Administration al-Sharaas stößt bei Aktivisten auf vorsichtige Unterstützung, aber auch auf Kritik. Ihre zentralen Forderungen lauten: Schutz der Minderheitenrechte, Eindämmung autoritärer Tendenzen und die garantierte Mitgestaltung lokaler Gruppen beim Wiederaufbau des Landes.

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