Saublodere: Warum Schweineblasen in der Fasnet für Aufsehen sorgen
Elfie ZiegertStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Saublodere: Warum Schweineblasen in der Fasnet für Aufsehen sorgen
Während der Fasnet in Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) hallt noch immer ein skurriler Brauch durch die Gassen: die Saublodere. Diese Lärmmacher bestehen aus aufgeblasenen Schweineblasen, die an Bullenhoden oder einer Kuhschwanz befestigt werden. Der knallende Schlag, den sie beim Aufprall erzeugen, erschreckt die Umstehenden und hält eine uralte Tradition am Leben.
Die Herstellung einer Saublodere beginnt mit sorgfältiger Vorbereitung. Metzger liefern die Blasen, die entleert, in Lake eingelegt und gründlich gereinigt werden. Jede wird auf Mängel überprüft – nur die robustesten Exemplare kommen zum Einsatz. Anschließend werden sie mit Druckluft aufgeblasen und an einen Hagenschwanz gebunden, also den Schwanz oder die Geschlechtsteile eines Rinds.
Ursprünglich kamen ausschließlich Schweineblasen zum Einsatz, doch ihre kurze Haltbarkeit – oft nur zwei oder drei Umzüge – führte zu Veränderungen. Im Laufe der Zeit stiegen viele Zünfte auf synthetische Materialien wie Gummi oder Kunststoff um, die länger halten und hygienischer sind. Doch in Orten wie Rottweil oder Rottenburg schwören manche noch immer auf natürliche Alternativen. Rinder- oder Ziegenblasen gewinnen an Beliebtheit, da sie größer und widerstandsfähiger sind.
Die Saublodere dient nicht nur der Lärmerzeugung. Sie symbolisiert Eitelkeit und wird während der Fasnetsumzüge als neckisches Werkzeug eingesetzt. Wenn sie kräftig niedersausen, durchschneidet der scharfe Knall die Luft, überrascht die Zuschauer und steigert das festliche Chaos.
Jedes Jahr beschaffen die Narrenzünfte frische Blasen bei ortsansässigen Metzgern. Zwar gelten Schweineblasen noch immer als klassisch, doch immer mehr Gruppen setzen auf Rinderblasen wegen ihrer Haltbarkeit und längeren Nutzungsdauer. Der markante, plötzliche Knall der Saublodere bleibt ein prägendes Geräusch der Fasnetszeit.






