19 December 2025, 21:15

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

Ein Gedicht steht im Vordergrund, mit einer Frau unter einem Baum im Hintergrund, mit einem sternenklaren Himmel und einem Mond.

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

„Salome“ von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Begehren

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Teaser: Was tut man mit einem Skandalwerk, das 100 Jahre alt ist – wenn der Skandal längst verflogen? An der Komischen Oper Berlin präsentiert Evgeny Titov eine Neuinterpretation von Richard Strauss’ Salome, gesangsfreundlich und zeitgemäß inszeniert.

28. November 2025, 05:06 Uhr

Richard Strauss’ umstrittene Oper Salome kehrt in einer kühnen Neuproduktion an die Komische Oper Berlin zurück. Unter der Regie von Evgeny Titov feiert das Werk am 22. November 2025 im Schillertheater Premiere. Die Inszenierung deutet das skandalumwitterte Stück von 1900 mit einer schroffen, modernen Ästhetik um – fernab des ursprünglichen Dekadenzglanzes.

Salome erzählt die düstere Geschichte einer Prinzessin, die von verbotener Leidenschaft verzehrt wird. Der Prophet Jochanaan, gefangen von König Herodes, weist ihre Avancen zurück – woraufhin sie als Lohn für einen Tanz seinen Kopf fordert. Obwohl Herodes zögert, einen Heiligen zu töten, gibt er schließlich nach – um Salome nach einem Kuss auf Jochanaans abgetrenntes Haupt hinrichten zu lassen.

Titovs Inszenierung verzichtet auf die üppige Sinnlichkeit der Oper. Die Bühne zeigt einen kalten, matt-goldenen Gewölberaum, der psychologische Intensität über visuellen Prunk stellt. Begehren durchdringt jede Begegnung, selbst Jochanaan kämpft sichtbar gegen seine eigene Anziehung zu Salome an. Unter der Leitung von Dirigent James Gaffigan balanciert das Orchester der Komischen Oper zwischen Präzision und Zurückhaltung und lässt so die Sänger glänzen. Nicole Chevalier überzeugt als Salome mit einer kraftvollen Darstellung, bewegt sich in einer schlichten weißen Kapuze über die Bühne. Matthias Wohlbrechts Herodes durchdringt die Partitur mit schneidender, bedrohlicher Stimme und unterstreicht so die Paranoia und Grausamkeit des Königs.

Die Produktion schreibt ein weiteres Kapitel für Salome, ein Werk, das bei seiner Uraufführung das Publikum schockierte, sich aber als Klassiker behauptete. Titovs minimalistischer Ansatz und die starken Darstellungen definieren die Oper für ein modernes Publikum neu. Die Premiere am 22. November 2025 wird zeigen, ob diese mutige Vision bei Berlins Opernbesuchern Anklang findet.