Niedersachsens Innenministerin zweifelt an Dobrindts "Cyberdome"-Plänen der Bundesregierung
Elfie ZiegertNiedersachsens Innenministerin zweifelt an Dobrindts "Cyberdome"-Plänen der Bundesregierung
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens hat Zweifel am geplanten "Cyberdome"-Projekt der Bundesregierung geäußert. Die Initiative, die unter der Leitung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt steht, soll ein Hochtechnologie-Abwehrsystem nach dem Vorbild der israelischen Cybersecurity-Strategie schaffen. Behrens gab zu, das Konzept noch nicht vollständig zu durchdringen, und wartet auf präzisere Informationen aus Berlin.
Der Cyberdome ist als mehrstufiges Verteidigungssystem konzipiert, das mithilfe künstlicher Intelligenz Cyberbedrohungen erkennt, analysiert und abwehrt. Deutschland begann mit der Entwicklung des Projekts in Partnerschaft mit Israel, nachdem im Januar 2026 ein Cyber- und Sicherheitsabkommen unterzeichnet worden war. Dem Vertrag waren monatelange Planungen vorausgegangen, die mit der grundsätzlichen Entscheidung der Bundesregierung im August 2025 ihren Anfang genommen hatten.
Behrens hinterfragte, ob der Bundesplan Niedersachsen zugutekommen werde, das bereits 30 Millionen Euro in einen eigenen Cybersicherheits-Schutz investiert habe. Dieses landeseigene System schützt die Netzwerke der öffentlichen Verwaltung, operiert jedoch unabhängig von den Bundesvorgaben. Die Ministerin zeigte sich zwar kooperationsbereit, sofern sich der Cyberdome für ihre Region als vorteilhaft erweise – doch bisher fehlen ihr dafür die notwendigen Belege.
Zudem äußerte Behrens Vorbehalte gegen weitergehende Reformen des deutschen Inlandsgeheimdienstes, des Verfassungsschutzes. Zwar unterstützt sie dessen Rolle als Frühwarnsystem für die Demokratie – insbesondere bei der Beobachtung von Extremisten und der Sammlung von Nachrichtendaten –, lehnt aber jeden Schritt ab, der dem Dienst Befugnisse gegen andere Behörden einräumen würde. Niedersachsen habe seinen landeseigenen Verfassungsschutz bereits reformiert und dessen Ermittlungskapazitäten gestärkt, ohne dessen Kompetenzen auszuweiten.
Noch wartet Behrens darauf, dass Dobrindt den Gesetzentwurf zur Reform des Bundesverfassungsschutzes vorlegt. Ohne konkrete Details hält sie sich mit einer abschließenden Bewertung zurück. Gleichzeitig spricht sie sich für eine Stärkung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus und bezeichnet dies als einen "außerordentlich sinnvollen" Schritt.
Behrens' Haltung ist von vorsichtigem Optimismus und Skepsis geprägt. Niedersachsen werde das Potenzial des Cyberdome erst bewerten, sobald die Bundesbehörden eine umfassende Aufklärung vorlegten. Bis dahin setzt das Land weiterhin auf eigene Cybersicherheitsmaßnahmen und das reformierte Nachrichtendienst-Gefüge.






