08 April 2026, 00:34

Mainz in den 1970ern: Mordfall, Kälterekord und der Kampf um die Altstadt

Detailierte alte Karte von Stadt Mainz, Deutschland, zeigt Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten auf altem Papier mit Text.

Mainz in den 1970ern: Mordfall, Kälterekord und der Kampf um die Altstadt

Mainz stand in den mittleren 1970er-Jahren vor großen Herausforderungen – von finanziellen Belastungen bis zu einer eisigen Kältewelle. Die Stadt balancierte zwischen Wachstum und Entbehrungen, während sie ihre Altstadt sanierte, den Wohnungsbau vorantrieb und einen viel beachteten Mordfall aufklärte. Gleichzeitig kämpfte die Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit Haushaltskürzungen, während die Studentenzahlen hoch blieben.

Im April 1969 wurde ein 47-jähriger jugoslawischer Tagelöhner in Mainz zu Tode geprügelt. Fast sechs Jahre blieb der Täter unentdeckt. Erst im Februar 1975 ermittle die Polizei einen Jugendlichen als Verdächtigen. Noch im selben Jahr verurteilte das Gericht den Täter zu acht Jahren Jugendhaft.

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Der Januar 1975 brachte extreme Kälte in die Region. Am Flughafen Frankfurt sanken die Temperaturen auf -22 Grad Celsius, Autobatterien froren ein, und Lieferungen in Mainz kamen zum Erliegen. Die Kältewelle forderte europaweit etwa 20 Menschenleben.

Ebenfalls 1975 enthüllte die Stadt den "Glöckchenbaum", eine sieben Meter hohe Bronzeskulptur mit Brunnen vor dem Bildungsministerium. Das drei Tonnen schwere Kunstwerk zeigte 14 Nachbildungen berühmter Glocken, die jeweils 68 kleinere Glocken enthielten. Die Kosten beliefen sich auf 160.000 D-Mark; noch heute steht die Skulptur in der Mittleren Bleiche.

Zudem trieb Mainz die Altstadtsanierung voran, ein Projekt, das 1972 begonnen hatte. Im aktuellen Haushalt waren über 13 Millionen D-Mark veranschlagt, um die Arbeiten bis 1983 oder 1984 abzuschließen. Im Rahmen der Maßnahmen entstanden 145 neue Sozialwohnungen als Ersatz für abgerissene Häuser.

Die Universität Mainz jedoch steckte in finanziellen Schwierigkeiten. Haushaltskürzungen führten zu Entlassungen, gestrichenen Forschungsprojekten und längeren Wartezeiten für Studierende. Trotz strenger Zulassungsbeschränkungen (Numerus clausus) stieg die Immatrikulationszahl für das Wintersemester 1975/76 auf über 19.000.

Der zweijährige Haushalt 1976–77 umfasste 916 Millionen D-Mark, wobei mehr als ein Fünftel für Sozialleistungen vorgesehen war. Doch neue Herausforderungen tauchten auf: Der französische Einzelhändler Carrefour plante einen großen Einkaufskomplex in der Nähe der A60. Lokale Händler und Stadtplaner warnten vor den Folgen für den Handel und das städtische Klima.

In den mittleren 1970er-Jahren hatte Mainz einen Mordprozess, einen tödlichen Winter und die fortlaufende Stadterneuerung bewältigt. Der Glöckchenbaum wurde zu einem Wahrzeichen, während die Altstadtsanierung neuen Wohnraum schuf und historische Bereiche wiederherstellte. Doch die finanzielle Not der Universität und die Debatten um den Einzelhandelsausbau zeigten, wie die Stadt zwischen Fortschritt und Bewahrung lavierte.

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