„Höchst unangenehm“: Münchens Deutsches Museum setzt auf grantige Führungen mit Kultfaktor
Grzegorz Loos„Höchst unangenehm“: Münchens Deutsches Museum setzt auf grantige Führungen mit Kultfaktor
Münchens Deutsches Museum bietet eine neue Art Führung an – und die soll „höchst unangenehm“ sein. Unter der Leitung des Performancekünstlers Joseph Langelinck überrascht die „grantige Führung“ Besucher mit einer Mischung aus Humor und scharfer Kritik. Seit dem Start im Mai sind alle Termine ausverkauft – ein unerwarteter Erfolg.
Die Idee stammt von Carl Brandi, einem Performancekünstler, der klassische Museumsbesuche auf die Probe stellen wollte. Statt höflicher Erklärungen setzt der Guide auf sarkastischen Ton und lässt die Gäste sich subtil verspottet fühlen. Direkte Beleidigungen bleiben aus, doch die Atmosphäre suggeriert: Hier wird Unwissenheit vorausgesetzt.
Inspiriert wurde das Konzept unter anderem von „fiesen Kellner“-Restaurants wie Karen’s Diner, in denen das Personal absichtlich unfreundlich auftritt. Die Museumsleitung erkannte das Potenzial und gab das Projekt in Auftrag. Für sechs Euro erleben Teilnehmer eine Stunde voller spitzer Wortgefechte und übertriebener Verachtung – und gehen dennoch oft lachend. Weltweit experimentieren Museen zunehmend mit interaktiven und ungewöhnlichen Formaten. Diese Führung hebt sich ab, indem sie den klassischen Bildungsansatz in eine spielerische, wenn auch leicht unbehagliche Performance verwandelt.
Der „grantige Guide“ ist zum Renner geworden: Besucher loben den klugen Humor und den mutigen Ansatz. Jeder Termin ist ausgebucht – ein Zeichen, dass das Publikum die Mischung aus Satire und Unterhaltung schätzt. Das Museum hat damit eine einzigartige Attraktion geschaffen, die Erwartungen herausfordert und gleichzeitig unterhält.






