Göttinger Verein kämpft für selbstverwaltetes Wohnen gegen Marktdruck
Franjo HandeGöttinger Verein kämpft für selbstverwaltetes Wohnen gegen Marktdruck
Neuer gemeinnütziger Verein in Göttingen gestartet: Schutz und Ausbau selbstverwalteten Wohnraums
In Göttingen hat sich offiziell ein neuer gemeinnütziger Verein gegründet, der selbstverwaltetes Wohnen schützen und ausbauen will. Die Initiative vereint elf Wohnprojekte in der Stadt und der umliegenden Region. Ihre Gründung knüpft an jahrzehntelangen lokalen Aktivismus an – darunter auch prominente Kämpfe um bezahlbaren Wohnraum.
Der Verein stellte sich am 15. März 2023 bei einem Erzählcafé im OM10, einem bekannten Göttinger Veranstaltungsort, der Öffentlichkeit vor. Seine Wurzeln reichen tief in die Geschichte des Wohnwiderstands der Stadt zurück: von der "Bleiben-Wir"-Kampagne 2007 bis zu den Auseinandersetzungen um selbstverwaltete Häuser im Jahr 2017.
Drei der Mitgliedsprojekte – das Kreuzbergring 10/12, die Bürgerstraße 50a sowie die Häuser Goßlerstraße 17/a und 21 – befinden sich mittlerweile im vollständigen Besitz ihrer Bewohner:innen. Das Kreuzbergring 10/12 etwa begann in den 1970er-Jahren als besetzter Ort, wurde später vom Göttinger Studentenwerk verwaltet und erreichte 2021 schließlich die volle Selbstverwaltung durch die Bewohnerschaft.
Der Verein orientiert sich am Modell des Mietshäuser-Syndikats und verankert sich in den Satzungen der Mitgliedsprojekte als schützende Struktur. Jede Initiative zahlt einen jährlichen Solidaritätsbeitrag, aus dem Fachberatung oder Notfallkredite finanziert werden. Zudem soll der Verein als erste Anlaufstelle für Menschen dienen, die Unterstützung bei Wohnfragen suchen.
Die zentralen Ziele sind klar: Neue Wohninitiativen fördern und die Reprivatisierung bestehender Projekte verhindern. Durch den gemeinsamen Austausch von Ressourcen und Erfahrungen will das Netzwerk die langfristige Kontrolle über seine Gebäude sichern.
Der neue Verein vertritt nun elf Wohnprojekte in und um Göttingen. Mit seiner Gründung stärkt er ein Modell kollektiven Eigentums, das sich seit Jahrzehnten gegen Marktdruck behauptet. Künftig liegt der Fokus darauf, neue Initiativen zu unterstützen und gleichzeitig die bereits in Bewohner:innenhand befindlichen Projekte zu schützen.






