Gericht stoppt Spiegel-Berichte über Christian Ulmen im Deepfake-Skandal
Grzegorz LoosGericht stoppt Spiegel-Berichte über Christian Ulmen im Deepfake-Skandal
Ein deutsches Gericht hat gegen Der Spiegel eine einstweilige Verfügung in einem viel beachteten Deepfake-Skandal um den Schauspieler Christian Ulmen erlassen. Das Urteil untersagt dem Magazin, bestimmte Vorwürfe gegen Ulmen zu veröffentlichen, darunter die Behauptung, er habe mit KI erzeugte gefälschte Pornografie mit seiner Ex-Frau, der Schauspielerin Collien Fernandes, erstellt und verbreitet.
Das Hanseatische Oberlandesgericht entschied, dass Der Spiegel nicht behaupten darf, Ulmen habe die expliziten Deepfake-Inhalte produziert oder weitergegeben. Zudem verbot das Gericht die Veröffentlichung von Zitaten aus Ulmens privaten E-Mails an seinen Verteidigungskanzlei, da diese als Teil seines „höchstpersönlichen Lebensbereichs“ gelten. Das Gericht sah keine ausreichenden Beweise für die Vorwürfe.
Fernandes wirft Ulmen vor, nicht nur die Videos erstellt, sondern auch gefälschte Social-Media-Profile unter ihrem Namen angelegt zu haben, um mit anderen Männern sexuelle Gespräche zu führen. Parallel ermitteln Staatsanwälte in Potsdam wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt gegen Ulmen.
Ulmen hatte Der Spiegel im April wegen der Berichterstattung über die Deepfake-Vorwürfe verklagt. Das Landgericht Hamburg entschied im Mai zunächst, dass die Berichte rechtlich zulässig seien. Die jüngste Entscheidung schränkt nun Teile dieser Berichterstattung ein.
Der Fall hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte Pläne an, das Strafrecht gegen nicht einvernehmliche sexualisierte Deepfakes und „digitale sexualisierte Gewalt“ zu verschärfen. Ulmens Kanzlei Schertz-Bergmann argumentiert, die Spiegel-Berichte hätten eine überzogene Medienberichterstattung und öffentliche Debatte ausgelöst.
Die einstweilige Verfügung begrenzt, was Der Spiegel über Ulmens mutmaßliche Verstrickung in den Deepfake-Skandal berichten darf. Das Magazin kann jedoch weiterhin über Fernandes’ separate Vorwürfe wegen körperlicher Misshandlung berichten. Die rechtlichen und politischen Folgen des Falls entwickeln sich weiter.
