Deutschlands größte Jugend-Suchtklinik steht vor der Schließung bis 2025
Grzegorz LoosDeutschlands größte Jugend-Suchtklinik steht vor der Schließung bis 2025
Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn: Deutschlands größte Fachklinik für suchtkranke Jugendliche droht zum 30. Juni 2025 zu schließen
Ohne eine Finanzierungsvereinbarung bis zum 10. Mai steht die Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn, Deutschlands größtem spezialisiertem Reha-Zentrum für junge Menschen mit Suchterkrankungen, bevor. Sollte keine Lösung gefunden werden, muss die Einrichtung endgültig ihre Türen schließen. Die Betreiber warnen, dass die Zeit davonläuft, um die Zukunft der Klinik zu sichern.
Der Träger, die Leinerstift Gruppe, hat wiederholt auf die unzureichende Finanzierung hingewiesen. Aktuell zahlt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) 320 Euro pro Patient und Tag – doch die tatsächlichen Kosten liegen um 70 Prozent höher. Das intensive Betreuungsmodell mit rund um die Uhr besetzten, interdisziplinären Teams treibt die Ausgaben weit über die Erstattungssätze hinaus.
In ganz Deutschland gibt es nur 85 spezialisierte Reha-Plätze für Minderjährige, davon 60 in der Bonhoeffer-Klinik. Die DRV bestreitet diese Zahl und behauptet, bundesweit stünden 450 Plätze zur Verfügung. Unabhängig von dieser Kontroverse würde eine Schließung der Klinik den Zugang zu lebenswichtigen Therapien drastisch einschränken.
Die Leinerstift Gruppe hatte ein neues Versorgungsmodell vorgeschlagen, das von gesetzlichen Krankenkassen, der Landesregierung Niedersachsens und der Jugendhilfe unterstützt wird. Doch die Verhandlungen mit politischen Gremien und Kostenträgern seien ohne substanzielle Ergebnisse geblieben, kritisieren die Verantwortlichen. Ohne verbindliche Zusagen hat die Deutsche Rentenversicherung bereits die Aufnahme neuer Patienten gestoppt.
Ein kurzfristiger Neustart der Klinik wäre unmöglich. Aufgrund der komplexen Antrags- und Aufnahmeverfahren ließe sich die Einrichtung nach einer Schließung nicht schnell wiedereröffnen.
Die Zukunft der Bonhoeffer-Klinik hängt nun davon ab, ob in den kommenden Wochen eine nachhaltige Finanzierungslösung gefunden wird. Scheitern die Verhandlungen bis zum Stichtag, wird die Einrichtung geschlossen – und Dutzende gefährdete junge Patient:innen verlieren den Zugang zu spezialisierter Behandlung. Der Verlust des größten Jugend-Suchtrehab-Zentrums Deutschlands würde zudem die ohnehin knappen Kapazitäten im gesamten Land weiter belasten.






