Autofreies Berlin scheitert – doch die Debatte um weniger Autos geht weiter
Grzegorz LoosAutofreies Berlin scheitert – doch die Debatte um weniger Autos geht weiter
Vorstoß für drastische Autoreduzierung innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings scheitert
Die Initiative „Autofreies Berlin“ hat es nicht geschafft, bis zum Stichtag am 8. Mai genug Unterstützung zu sammeln. Die Organisator:innen hatten 174.000 Unterschriften angestrebt, blieben aber mit rund 140.000 deutlich darunter. Das Volksbegehren zielte auf ein Gesetz ab, das den Verkehr im Stadtzentrum grundlegend verändert hätte: Die meisten Privatfahrzeuge sollten aus der Innenstadt verbannt werden – mit Ausnahmen für Rettungsdienste, Taxis, Busse und kleine Elektroautos. Anwohner:innen hätten jedoch jährlich zwölf selbst gewählte Tage behalten, an denen sie uneingeschränkt Auto fahren dürfen.
Vorgesehen waren zudem Sonderregelungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, den Lieferverkehr und wirtschaftlich unverzichtbare Fahrten. Trotz des Scheiterns stoßen die Kernforderungen der Kampagne – weniger Autos, sicherere Straßen, saubere Luft und eine gerechtere Aufteilung des öffentlichen Raums – weiterhin auf breite Zustimmung.
Eine Umfrage vom Januar 2023 zeigte bereits, dass viele Berliner:innen ähnliche Veränderungen befürworten: Fast 60 Prozent sprachen sich dafür aus, Autospuren in exclusive Bus- oder Straßenbahnspuren umzuwandeln, wenn daduch der ÖPNV verbessert würde. 67 Prozent wünschten sich strengere Parkregeln, um zu verhindern, dass große, schwere Fahrzeuge zu viel Platz beanspruchen.
Aktuell ist fast ein Viertel aller Fahrzeuge innerhalb des S-Bahn-Rings gewerblich zugelassen. Mit dem Scheitern der Initiative gibt es vorerst keine politische Kehrtwende – doch die Debatte über eine Verringerung der Autodominanz in der Stadt geht weiter.
Da die nötige Unterschriftenzahl verfehlt wurde, kommt der Vorschlag nicht zum Zug. Doch die hohe öffentliche Unterstützung für die Ziele der Kampagne deutet darauf hin, dass die Diskussion alles andere als beendet ist. Viele Berliner:innen stehen weiterhin hinter Maßnahmen, die den öffentlichen Nahverkehr, die Verkehrssicherheit und saubere Luft gegenüber dem individuellen Autoverkehr priorisieren.






