Apothekerin kämpft mit ungewöhnlicher Strategie gegen Konkurrenz und Schließungswelle
Magdalena HertrampfApothekerin kämpft mit ungewöhnlicher Strategie gegen Konkurrenz und Schließungswelle
Apothekerin in Steinbach am Wald akzeptiert Konkurrenten-Gutscheine – ein ungewöhnlicher Schritt im Kampf ums Überleben
Claudia Bauer, Apothekerin in Steinbach am Wald, hat einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, um Kunden zu gewinnen: In ihrer Apotheke nimmt sie nun auch Rabattgutscheine von Konkurrenzapotheken an. Dieser Schritt kommt zu einer Zeit, in der der Wettbewerb in der Branche immer härter wird – besonders in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Kronach in Bayern.
Seit 25 Jahren führt Bauer die Apotheke in Steinbach am Wald, nachdem sie extra aus Bonn in den kleinen Ort gezogen war, der als einzige bayerische Gemeinde vom Rennsteig-Wanderweg durchquert wird und nahe am historischen Grünen Band liegt.
Dass sie die Gutscheine der Konkurrenz annimmt, ist kein völlig neues Phänomen. Bereits 2016 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass Unternehmen Rabattaktionen von Mitbewerbern anerkennen dürfen, um Kunden zu locken. Selbst die Drogeriekette Müller hatte dies bereits praktiziert. Bauer kündigte ihre Regelung auf Facebook an und versprach, die Preise der Konkurrenz zu unterbieten, wenn Kunden ihre Gutscheine vorlegen.
Die Apothekerin selbst hält ihre Rabatte mit meist rund 20 Prozent eher moderat. Doch die drastischen Preisnachlässe von bis zu 52 Prozent, die große Ketten wie Shop-Apotheke und DocMorris anbieten, empfindet sie als problematisch. Solche aggressiven Preispolitik trifft vor allem ländliche Apotheken hart. Zwischen 2020 und 2025 mussten im Landkreis Kronach etwa 10 bis 15 Prozent der unabhängigen Apotheken schließen – sie konnten mit den niedrigen Online- und Kettenpreisen bei erstattungsfähigen Medikamenten nicht mithalten.
Bauer setzt stattdessen auf kleine Aufmerksamkeiten für ihre Kunden, etwa kostenlose Taschentuchpackungen. Gleichzeitig will sie ihr Team stärken und sucht nach weiteren Apothekern und Pharmazeutisch-technischen Assistenten.
Ihr Vorgehen spiegelt die Herausforderungen wider, vor denen lokale Apotheken in einem von Rabattschlachten geprägten Markt stehen. Indem sie Konkurrenz-Gutscheine akzeptiert, versucht Bauer, ihre Apotheke wettbewerbsfähig zu halten – ohne dabei in eine Preisspirale nach unten zu geraten. Ob die Strategie langfristig hilft, bleibt abzuwarten. In einer Region, in der bereits viele unabhängige Apotheken schließen mussten, könnte sie jedoch ein wichtiger Schritt sein, um das Überleben ihres Betriebs zu sichern.






