Anne Spiegel vor neuer Rolle in Hannover – trotz Flut-Kritik und Proteste
Franjo HandeAnne Spiegel vor neuer Rolle in Hannover – trotz Flut-Kritik und Proteste
Anne Spiegel steht kurz davor, eine neue Position als Sozialdezernentin in der Region Hannover zu übernehmen. Ihre Ernennung, die von Regionspräsident Steffen Krach vorgeschlagen wurde, soll in der Sitzung der Regionsversammlung am Dienstag abgestimmt werden. Die Entscheidung fällt trotz anhaltender Kritik an ihrem Krisenmanagement während der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, bei der 135 Menschen ums Leben kamen.
Bereits haben Proteste begonnen: Demonstranten stellten 135 Kreuze und Grablichter auf dem Opernplatz in Hannover auf, um der Flutopfer zu gedenken. Spiegel selbst hat die Gegenwehr eingeräumt, zeigt sich aber entschlossen, die neue Aufgabe anzunehmen.
Spiegels politische Laufbahn war von Kontroversen geprägt. 2022 trat sie als Bundesfamilienministerin zurück, nachdem sie massiv für ihr Zögern während der Ahrtal-Flut kritisiert worden war. Kritiker werfen ihr vor, dass Versäumnisse in ihrer Amtszeit als rheinland-pfälzische Umweltministerin die hohe Opferzahl mitverursacht hätten.
Trotzdem unterstützt Steffen Krach, SPD-Politiker und aktueller Regionspräsident Hannover, ihre Nominierung. Krach bereitet sich zugleich auf seinen eigenen Wahlkampf vor: Er wurde als Spitzenkandidat der SPD für die Berliner Bürgermeisterwahl 2026 nominiert und wird sich ab März bis Oktober nächsten Jahres unbezahlten Urlaub nehmen, um sich auf die Wahl zu konzentrieren. Bernward Schlossarek, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Regionsversammlung, hat Spiegel gegen die Proteste in Schutz genommen. Er argumentiert, dass ihre Erfahrung nicht durch frühere Fehler überschattet werden dürfe. Spiegel selbst betont, sie erwarte Kritik, sei aber überzeugt, in ihrer neuen Rolle einen wertvollen Beitrag leisten zu können.
An der Demonstration in Hannover beteiligten sich etwa 50 Menschen, die mit jedem Kreuz und jedem Licht an eines der 135 Opfer der Katastrophe von 2021 erinnerten – ein deutliches Zeichen für die anhaltende Empörung über Spiegels Rolle in der Tragödie.
Die Regionsversammlung wird in den kommenden Tagen über Spiegels Ernennung entscheiden. Bei einer Zustimmung würde sie die Sozialressorts in Hannover übernehmen, während die Debatten über ihr damaliges Handeln weitergehen. Parallel wird sich Krach auf den Berliner Wahlkampf 2026 konzentrieren, sodass die Region während seines Wahlkampfurlaubs vorübergehend ohne seine Führung auskommen muss.






